Aids-Hilfe droht 2019 das endgültige Aus – PZ-news 26.08.2016

Kämpfen um den Erhalt der Einrichtung: Renate Thon und Iris Augenstein, die Vorsitzenden der Aids-Hilfe Pforzheim, sowie deren Leiterin Claudia Jancura und Sozialarbeiter Jörg Klinger (von links) beim Blick in den Geschäftsbericht. Foto: Seibel
Kämpfen um den Erhalt der Einrichtung: Renate Thon und Iris Augenstein, die Vorsitzenden der Aids-Hilfe Pforzheim, sowie deren Leiterin Claudia Jancura und Sozialarbeiter Jörg Klinger (von links) beim Blick in den Geschäftsbericht. Foto: Seibel

Finanzierung nur noch für zwei Jahre gesichert – Zahl der Neuinfizierungen steigt, vor allem bei Jugendlichen

Die Zahl der Menschen, die sich mit HIV anstecken, steigt in Deutschland wieder an. Auch in Pforzheim, sagt Iris Augenstein, die stellvertretende Vorsitzende der Aids-Hilfe vor Ort. Und das vor allem bei Jugendlichen um die 18 Jahre. Darauf lasse die Zahl der Neukontakte der hiesigen Beratungsstelle im vergangenen und diesem Jahr schließen, so Leiterin Claudia Jancura. 13 waren es 2015, sie gehe jedoch von einer weit höheren Dunkelziffer aus.
Wie berichtet, ist auch die Aids-Hilfe von den städtischen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung betroffen. 11.250 Euro werden der Einrichtung gekürzt – das entspricht 25Prozent des Gesamtzuschusses. „Das rettet den städtischen Haushalt ganz und gar nicht“, sagt die Vorsitzende der Aids-Hilfe Renate Thon. Für die Aids-Hilfe, hingegen sei die Summe, die sich gerade so für die nächsten zwei Jahre durch private Spenden ausgleichen lasse, existenzbedrohend. Ab 2019 stehe die Einrichtung, die es seit über 30Jahren in Pforzheim gibt, vor der Schließung. Eine ganze Stelle müsste eingespart werden, um die Summe auszugleichen.

Prävention an Schulen

Die Einrichtung mit einer Stelle weniger zu bewältigen, sei jedoch nicht machbar. Derzeit sind neben Jancura (80-Prozent-Stelle) die Verwaltungsfachkraft Grit Butz (66Prozent) und seit Anfang Juli auch der 33-jährige Sozialarbeiter Jörg Klinger (85Prozent) angestellt. Zudem arbeiten 19 Ehrenamtliche mit, um alle Angebote ermöglichen zu können.

„Bürgermeisterin Müller hat erklärt, bei präventiven Angeboten will sie nicht kürzen – wir sind auch ein präventives Angebot“, kritisiert die ehemalige Grünen-Stadträtin Thon. Neben anonymen Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten – 104 Menschen nahmen das Angebot 2015 in Anspruch – und der Begleitung von Infizierten und ihrem Umfeld leiste die Einrichtung auch Prävention. An Schulen und anderen Einrichtungen informieren die Mitarbeiter über das Thema HIV und Aids. Mit der großen Zahl an Flüchtlingen, die mittlerweile in Pforzheim Unterschlupf gefunden haben, kommen auf die Aids-Hilfe auch neue Aufgaben hinzu. Durch die Schulungen ehrenamtlicher Mitarbeiter will die Einrichtung künftig auch dort betroffene Menschen erreichen.

„Dass es Doppelstrukturen gibt, macht es für uns schwierig“, sagt Jancura und meint damit die Aidsberatung des Gesundheitsamts. Die Angebote ergänzten sich, könnten einander jedoch nicht ersetzen, ist Iris Augenstein, überzeugt. Ehrenamtliche und die Betreuung von Infizierten – auch in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim – „die Bereiche vertritt die Aids-Hilfe allein“. Damit das niederschwellige Angebot erhalten bleiben kann, wollen die Verantwortlichen sich in den kommenden Jahren noch stärker um Spender bemühen und auf Veranstaltungen Präsenz zeigen.

 

Veröffentlicht von der Pforzheimer Zeitung, am 26.08.2016, Autorin Lisa Belle